Montag, 14. Dezember 2009

"The Messenger" (USA)

Den Silbernen Bären für das beste Drehbuch bekamen: Alessandro Camon und Oren Moverman für "The Messenger". Der Film ist zugleich die erste Spielfilm-Regie von Oren Moverman und er wurde durchaus als Kandidat für die nächste Stufe im Periodensystem gehandelt: Gold. Und in der Tat "Mover-man" hat einen bewegenden Film gedreht, bei dem es nicht selten gilt, den Atem (auch den der Geschichte im Sinne von History) anzuhalten.

Die messenger sind die beiden Hauptfiguren Ben Foster als Will Montgomery und Woody Harrelson als Captain Tony Stone. Sie sind Soldaten bei der US-Army und dienen einer ganz speziellen military mission: Sie treten als "Todesengel" auf, um die Angehörigen zu informieren.

Noch so jung und schon Verteran, Kriegsveteran. Erst zusammengeschossen, dann zusammengeflickt, die Seele voll tiefer Scharten und Schatten. Die Entlassung aus der Armee steht bevor, aber vorher noch diese spezielle Aufgabe im "Casualty Notification Office", so der offizielle Euphemismus.

Die besondere Stärke des Films liegt in der wahrlich verstörenden Beschreibung der vielen Varianten von "Störungen", die bei dem streng formalisierten Militär-Ritual auftreten. Das Mensch-Sein bahnt sich den Weg durch das mit Formalismus, Trott und Drill abgeschaltete Hirn wie ein Grashalm durch eine dicke Teerdecke.

Für die beiden heißt es, Contenance bewahren und so gehen sie nach einem formellen Ritual vor, um bloß nicht Opfer der Gefühle zu werden. Denn gleich neben der Trauer wohnt die Wut. Und dass es den Überbringer der schlechten Nachricht schon oft erwischt hat, ist sprichwörtlich. Tränen und Aggression wollen sie sich vom Laibe halten, um zu funktionieren. Doch wie das Myzel eines Schimmels durchziehen die Gefühle Geist und Körper und sie wollen ausgelebt sein, "Pilze" werden. Die ausgebrannten Soldaten möchten ins "normale" Leben zurückzukehren – auch wenn sie wissen, dass es für sie eine Normalität nicht mehr geben wird. Zu allem Überfluss verliebt sich Will auch noch in eine der Witwen. Das steht nicht im Dienstplan des Office.
Ein Film über gedeckelte Gefühle und das, was passiert, wenn der Druck im Kessel steigt.

Das Antikriegs-Drama wurde außerdem mit dem Friedensfilmpreis der Berlinale ausgezeichnet. Der von Friedensgruppen gestiftete Sonderpreis wird seit 1986 verliehen und ist mit 5.000 Euro dotiert. In der Begründung heißt es treffend: "Der Film zeigt mit großer subversiver Kraft, dass Krieg deformiert und Menschen hilflos und auf immer verletzt zurücklässt".
Peer Kling / Elisabeth Niggemann


Links im Hintergrund: Ben Foster als Will Montgomery
Rechts vorne mit dem Flammenwerfer-Blick: Woody Harrelson als Captain Tony Stone in Oren Movermans "Messenger". Immer wenn Sie einen Besuch ab-statten, gilt es für die jeweiligen Angehörigen einen Sohn oder einen Ehemann zu be-statten. "Für diesen Job sind Helden nötig", heißt es im Film. Mit reichlich "Lametta" an der Uniform gestalten die beiden "Todesengel" denn auch ihre streng nach Protokoll ablaufenden "Messages" von gefallenen Soldaten als eine Art militärischen Staatsakt. Doch nicht selten erinnert die evozierte Trauer-Explosion an frühere Minenfelder.


Foto: Verleih