Samstag, 10. März 2012

Berlinale 2012: Anton Corbijn im Porträt

Anton Corbijn im Porträt
von Peer Kling und Elisabeth Niggemann

Klaartje Quirijns aus den Niederlanden stellte ihren Dokumentar-film: "Anton Corbijn - Inside Out" in der Reihe Berlinale Special vor. (Foto: Peer Kling)

Klaartje Quirijns ist 1967 in Amsterdam geboren. Zu den Arbeiten der Dokumentarfilmerin zählen Beiträge zu dem Hochsicherheitsgefängnis in Rotterdam sowie über den rituellen Mord an einem niederländischen Studenten. In ihrer Zeit in New York ab 1999 entstanden die mehrfach preisgekrönten "The Brooklyn Connection" (2005) und "The Dictator Hunter" (2007).

Mit "Anton Corbijn Inside Out" zeichnet sie in Etappen von drei Jahren ein intimes Porträt ihres 1955 geborenen Landsmannes Anton Corbijn, der als Fotograf vor allem mit Schwarzweiß Porträts von Musikern bekannt wurde. Zu den von ihm porträtierten zählen Lou Reed , Tom Waits, David Bowie, Joy Division, U2, Miles Davis, Björk, Herbert Grönemeyer, aber auch Nicht-Musiker wie Robert De Niro, Stephan Hawking oder Clint Eastwood.

Die Filmauswahl ist nicht zufällig. Corbijn gehört der diesjährigen Berlinale Jury an. Er selbst hat längst parallel zur Fotografie zusätzlich den Schritt hin zu bewegten Bildern vollzogen. In "Control" (2007) porträtiert er den Musiker Ian Curtis. "The American" (2010) ist ein Thriller mit George Clooney in der Hauptrolle.

Ähnlich wie bei Jimmy Rakete bestimmte moderne Musik schon das frühe Lebensgefühl von Corbijn. Beide kamen durch die Fotografie ihren Idolen näher. Beide wurden auf diesem Weg selbst zu Idolen. Corbijn wurde später im wahrsten Sinne des Wortes IMAGE bildend für Formationen wie U2 und Depeche Mode. Die Musik allein bestimmt längst nicht mehr den Konsumentenkreis des zu hörenden. Das visuelle Outfit der Cover und besonders der Musikvideos definieren die Identität der Musik-Persönlichkeiten im Einklang mit ihren Musik-Kreationen. Corbijn wurde zum Stil-Bildner.

Mit Ingmar Bergmann hat Corbijn auch etwas gemeinsam. Beider Väter waren Pfarrer. Beider Söhne Arbeit ist das stete Ringen um die Vaterliebe, bei Corbijn weniger vergeblich als bei Bergmann. "Inside out", das Innere nach außen zu kehren, hat der publikumsscheue Corbijn so gar nicht vor. Er lebt wie eine an zwei Enden entbrannte Kerze ein sehr intensives, aber zurückgezogenes Leben. Klaartje Quirijns ist es nun gelungen auch die private Seite des Künstlers, dessen Bilder in vielen Museen hängen zu beleuchten. Auf die Frage nach seiner Arbeit entlockt sie ihm, sie sei "eine Mischung aus Ehrgeiz, Nervosität und Unsicherheit, die zu diesem Ergebnis führt".