Dienstag, 25. März 2014

Berlinale 2014 - Silberner Bär für das Drehbuch von "Kreuzweg"

Von unseren Berlinale Korrespondenten Peer Kling und Elisabeth Niggemann

"Kreuzweg"
Drama; Deutschland/Frankreich 2014
107 Min; DCP; Farbe
Regie: Dietrich Brüggemann
Buch: Anna & Dietrich Brüggemann
Kamera: Alexander Sass
Besetzung:
Maria - Lea van Acken
Mutter -  Franziska Weisz
Pater Weber - Florian Stetter
Bernadette - Lucie Aron
Christian - Moritz Knapp
Vater - Klaus Michael Kamp
Bestatter - Hanns Zischler
Sportlehrerin - Birge Wesch
Thomas - Georg Wesch
Arzt - Ramin Yazdani

Die 14-jährige Maria wird vor allem durch ihre im Film als völlig verblendet und verbohrt erscheinende Mutter den Lehren der Priesterbruderschaft Pius X unterworfen, also einer traditionalistischen Auslegung des Katholizismus, die keinen der Reformbeschlüsse der frühen 60er Jahre anerkennt. Die strenge Erziehung voller Entbehrung und Verbote führt zu seelischen Konflikten mit ihrem eigentlichen Ich und in Begegnungen mit Gleichaltrigen besonders in der Schule. Und das zu einer Zeit, die nicht stehen geblieben ist. Der Sportunterricht fördert und fordert rhythmische Körperbewegungen zu schmissiger Musik. Marias verinnerlichtes Programm verbietet es ihr aber, an solchem Frevel teilzuhaben. Sie mischt die Lehrerin auf und manövriert sich mehr und mehr in eine Außenseiterposition. Die Heranwachsende hat ja noch gar nicht zu sich selbst gefunden und handelt quasi ferngesteuert. Das Drehbuch legt den seelischen Missbrauch der Erziehungsverantwortlichen offen. Sie stellen eine Idee oder besser eine ganze Ideologie über den Menschen. Station für Station führt uns der Film in schneidenden Sätzen mit der Schärfe eines Skalpells zum Schachmatt.

Dienstag, 4. März 2014

Berlinale 2014 - War Clooney der Clou?


Oder entspringen die wahren "Monuments Men" Schlöndorffs Film "DIPLOMATIE"?

Von unseren Berlinale Korrespondenten Peer Kling und Elisabeth Niggemann



"Monuments Men - Ungewöhnliche Helden"
USA 2013; 124 Minuten

ab 12 Jahren

Regie: George Clooney

Drehbuch: George Clooney, Robert M. Edsel, Grant Heslov, Bret Witter

Produktion: George Clooney, Grant Heslov, Christoph Fisser, Barbara A. Hall, Henning Molfenter, Charlie Woebcken

Musik: Alexandre Desplat

Darsteller: Matt Damon, George Clooney, Cate Blanchett, Bill Murray, John Goodman, Hugh Bonneville, Jean Dujardin, Diarmaid Murtagh, Bob Balaban, Sam Hazeldine, Dimitri Leonidas, Xavier Laurent, Andrew Byron, Richard Crehan, Declan Mills, Justus von Dohnányi, Holger Handtke, Michael Hofland, Zahary Baharov, Michael Brandner



"MONUMENTS MEN – UNGEWÖHNLICHE HELDEN" lief im Berlinale-Wettbewerb außer Konkurrenz. Der Zweite Weltkrieg geht dem Ende zu, Deutschland ist längst schon völlig am Ende. Die Monuments Men sind als Kunstschutzoffiziere in Europa unterwegs. Diese Soldaten zur Rettung von Kulturgütern hat es wirklich gegeben. Harry Ettlinger ist der letzte überlebende Zeitzeuge von den zwischen 1943 und 1946 aktiven Monuments Men. Er war jetzt in Berlin auf dem roten Premieren-Teppich mit dabei.

Sowohl NS-Raubkunst als auch Kulturgüter aus den Museen wurden von den Deutschen zum Schutz vor dem Bombenhagel in Salzstöcke eingelagert. Die Monuments Men wollten die Kunst nicht nur retten, sondern auch wieder den rechtmäßigen Besitzern zuführen. Die Aufgabe wurde zunehmend schwieriger, weil zum einen die Russen immer näher kamen und zum anderen nach Hitlers Nero-Befehl die eigenen Kulturgüter sämtlich in die Luft gesprengt werden sollten, nachdem alles andere verloren war.
Das passt thematisch übrigens auch genau zum neuen Schlöndorff-Film "Diplomatie", der Verfilmung des Theaterstücks von Cyril Gély. "Paris darf nicht oder nur als Trümmerfeld in die Hand des Feindes fallen" - so lautete der Hitler-Befehl. Das Bühnen-Drama über die Rettung der Identität von Paris und natürlich ebenso von unzähligen Menschenleben feierte in Frankreich große Erfolge.




Volker Schlöndorff (rechts) und der Theater-Autor Cyril Gély gaben bei der Berlinale persönlich die Einführung zu ihrer Gemeinschaftsproduktion "Diplomatie". 
(Foto: Peer Kling)

Montag, 9. Dezember 2013

Ausschreibung: FiSH - Festival im StadtHafen


FiSH - Festival im StadtHafen Rostock - ist seit 2004 das Frühlingsevent der jungen deutschen Filmszene.
Der nationale Kurzfilmwettbewerb JUNGER FILM ist das zentrale und zugleich umfangreichste Programm im FiSH. Gezeigt werden Filme von nicht mehr als 30 Minuten Spielzeit und Regisseuren, die nicht älter als 27 Jahre sind. Im Vorjahr reichten über 465 Nachwuchsregisseure ihre Kurzfilme ein. Das Festival zeigt 30 bis 40 davon im jährlichen Wettbewerbsprogramm.

Den besonderen Charme des JUNGEN FILMS macht die kommunikative Atmosphäre zwischen Filmemachern, Fachjury und Publikum aus. So findet im Anschluss an jede Filmvorführung noch auf der Bühne ein Interview mit Moderator Axel Ranisch ("Ich fühl mich Disco") und den Machern statt. Höhepunkt sind die öffentlichen Jurydiskussionen auf der Bühne nach jedem Filmblock. Die Jury wechselt dabei jährlich. Ihr gehören fünf Filmexperten an, darunter bereits bekannte Regisseure wie Andreas Dresen ("Halt auf freier Strecke") und Sven Taddicken ("Emmas Glück") und Schauspieler wie Susanne Bormann ("Sonnenallee") und Charly Hübner ("Das Leben der Anderen").

Der Hauptpreis "Film des Jahres" zum deutschlandweit ausgeschriebenen Kurzfilmwettbewerb JUNGER FILM 2014 ist mit insgesamt 9.000 Euro dotiert.

Er besteht aus:
  • einem Preisgeld in Höhe von 4.000 Euro, gestiftet zu gleichen Teilen vom Rotary Club Heiligendamm (zum elften Mal dabei) und den Kultusminister M-V (zum dritten Mal dabei).
  • einem Produktionsbudget von 5.000 Euro, zusätzlich von der Landesregierung ausgestattet, im Rahmen der Nachwuchsförderung der Kulturellen Filmförderung M-V.
Reicht Eure Filme schnell und unkompliziert über das Onlineportal für Filmfestivals filmfestivals4u.net ein oder klassisch mit dem Anmeldebogen zum Ausfüllen.

Einsendeschluss ist der 15. Januar 2014.

Das FiSH-Team freut sich auf Eure Einreichungen!

Dienstag, 12. November 2013

TÖNE DES NORDENS - Die 55. Nordischen Filmtage Lübeck


Von Peer Kling und Silke Möller-Wenghoffer



Das NORDLICHT kennt man ja; aber gibt es denn im Norden auch besondere Töne? Irgendwie schon, jedenfalls im Film bei den Nordischen Filmtagen in Lübeck, die wie jedes Jahr am ersten November-Wochenende ihr Finale hatten. Das Verzeichnis des Filmkatalogs listet 160 Streifen aus elf Ländern. Mehr als sonst bestimmte DIE MUSIK die Filmthemen.

"Ein Walzer für Monica" - Filmplakat in Lübeck
(Foto: Peer Kling)

"Ein Walzer für Monica"

Der Walzer für Monika zeichnet mit den Mitteln eines aufwendig gestalteten Erzählkinos die Biografie der schwedischen Jazz-Sängerin Monica Zetterlund (1937 - 2005) nach. In Schweden eine Ikone, hierzulande eher weniger bekannt, kommt der von dem Dänen Per Fly ("Das Erbe") swingend in Szene gesetzte Film gerade recht, um Monica Zetterlund zu feiern oder kennen zu lernen. Die Biografie konzentriert sich auf die ersten Jahre der Karriere und endet im Höhepunkt der 1964 in schwedischer Sprache in den USA zusammen mit dem Star-Pianisten Bill Evans aufgenommenen Platte "Waltz for Debby". (LINK: http://www.youtube.com/watch?v=8tp-nbchmHU)


Eine nicht zu unterschätzende Lektion des Films ist der barsch aus dem Munde von Ella Fitzgerald stammende Vorschlag, sie solle sich doch gefälligst auf die schwedische Identität besinnen statt Amerikaner nachzusingen, eine Ohrfeige, die sich einerseits gut verallgemeinern lässt und sich insbesondere für Zetterlund als sehr heilsam erwies. Mit einem Paukenschlag war sie wieder Schwedens Liebling, nachdem ihre Landsleute sie für den letzten Platz beim Grand Prix Eurovision de la Chanson, wie er zu jener Zeit noch hieß, abgestraft hatten. Die wunderbare Szene "Bill Evans calling" ist der Anfang eines von Dramen durchzogenen Glückes, das immer wieder von Alkohol und Tabletten unterbrochen wurde und zugleich das rührende Ende des bis dahin andauernden Vater-Tochter-Konfliktes. Die Anerkennung der Eltern ist halt mit das Wichtigste im Leben überhaupt, so Lektion zwei. Die Höhen und Tiefen dieses Lebens werden phantastisch nachgespielt und auch nachgesungen von Edda Magnason, fast hätten wir geschrieben "Magna-Song".

Die echte "Magna Song" kam an den Rollstuhl gebunden jämmerlich bei einem Stockholmer Wohnungsbrand ums Leben, was uns der Film erspart, anzuschauen. Ihre Musik bleibt, aber auch ihre wenigen Auftritte als Schauspielerin. In den als Film von Jan Troell inszenierten Erzählungen von Vilhelm Moberg stand Monica Zetterlund neben Liv Ullmann und Max von Sydow vor der Kamera. In "Utvandrarna" ("Die Auswanderer", Verleihtitel: "Die Emigranten") aus dem Jahre 1971 und in "Nybyggarna" ("Das neue Land") (1972) verkörperte sie die Rolle der Ulrika.

(LINK zum schwedischen Film-Trailer: http://www.moviezine.se/film/monica-z)

Weitere Links zu Monica Zetterlund:

http://www.srf.ch/kultur/musik/monica-zetterlund-eine-tragische-schwedische-sensation

http://de.wikipedia.org/wiki/Monica_Zetterlund

Sonntag, 13. Oktober 2013

Filmposter: "Venus im Pelz"


Filmposter zu "Venus im Pelz" (OT: "La Vénus à la fourrure") von Roman Polanski mit Emmanuelle Seigner und Mathieu Amalric.