Dienstag, 8. Januar 2013

Berlinale 2013 - ein Vorbericht



BERLINALE 2013 - ein Vorbericht
(zusammengestellt von Elisabeth Niggemann und Peer Kling)

Vom 7. bis 17. Februar 2013 finden die 63. Internationalen Filmfestspiele Berlin statt.
"Unser Plakat zur Berlinale 2013 wird wieder bunte Akzente im winterlichen Berliner Stadtbild setzen und uns auf das Festival einstimmen. Der Berlinale- Bär hat keine Zeit für Winterschlaf", sagt Festivaldirektor Dieter Kosslick angesichts des so ganz in Weiß gehaltenen Bären. Na, ja, vor drei Jahren konnten wir ja alle auf Zentimeter dicken Eisflächen in die Kinos rutschen bis die "Eisbären" mit ihren Elektrohämmern und sonstigem Gerät "fertig hatten". Der Berlinale-Bär ist ein Blickfang und ein unglaublich starkes Zeichen. Selbst im Ausschnitt wirkt es prägnant und wiedererkennbar.

Ab wann gibt es das Programm?
Die Anmeldefrist für Langfilme ist am 31. Oktober 2012 abgelaufen. Das gesamte öffentliche Programm wird ab Anfang Februar 2013 (am 7. ist ja schon die Eröffnung) auf der Webseite: http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/programmsuche.php veröffentlicht. Mithilfe einer Suchfunktion lässt sich das Programm nach verschiedenen Kriterien ordnen und individuell anzeigen. Per Mausklick können Sie darüber hinaus Online-Tickets erwerben und sich mit der Funktion "Mein Programmplaner" Ihr persönliches Programm zusammenstellen, welches auch als i-Cal-Anwendung (ics) abonnierbar ist.

Der Eröffnungsfilm steht bereits fest: Die internationale Premiere von The Grandmaster des chinesischen Regisseurs und diesjährigen Jury-Präsidenten WONG Kar Wai eröffnet die 63. Internationalen Filmfestspiele Berlin.

WONG Kar Wai: The Grandmaster

The Grandmaster ist ein episches Martial-Arts-Drama, das vor dem Hintergrund der Turbulenzen im China der 1930er Jahre spielt und von Leben und Zeit des legendären Martial-Arts-Meisters IP Man (Tony LEUNG Chiu Wai), Mentor von Bruce LEE, inspiriert ist. Krieg, Familie, Rache, Begehren, Erinnern und Liebe umspannen die dramatische Handlung des Films. Die Hauptrollen spielen Tony LEUNG Chiu Wai (Wilde Tage - Berlinale Forum 1991, Chungking Express, Happy Together, In The Mood for Love, 2046 (alle Regie: WONG Kar Wai)), Ziyi ZHANG (Tiger and Dragon, R: Ang Lee), die 2009 mit Forever Enthralled (R: CHEN Kaige) zu Gast im Berlinale Wettbewerb war, CHANG Chen (Tiger and Dragon; Eros, R: WONG Kar Wai), ZHAO Benshan (Happy Times, R: ZHANG Yimou), XIAO Shengyang (A Woman, a Gun and a Noodle Shop, R: ZHANG Yimou - Berlinale Wettbewerb 2010) und SONG Hye Kyo (A Reason to Live, R: LEE Jeong-hyang). Unterstützt wird die hochkarätige Besetzung von hunderten der besten Martial-Arts-Künstler Asiens.
Rund drei Jahre Drehzeit und mehr als ein Jahrzehnt Vorbereitung hat WONG Kar Wai seinem bildgewaltigen Genrefilm The Grandmaster gewidmet. Mit der Idee zum Film setzte er sich schon seit 1996 auseinander.
In seinem charakteristischen Stil, der Stimmung, Atmosphäre und Wirklichkeit bestimmt, widmet sich WONG Kar Wai der ewigen Frage der Martial-Arts, ob ein Sieg mehr bedeutet, als nur am Ende übrig zu bleiben, und beschert dem Genre ein neues Highlight. WONG Kar Wai schrieb das Drehbuch und führte Regie. Der Film wird außer Konkurrenz gezeigt. Seine Weltpremiere feiert The Grandmaster am 8. Januar 2013 in China, in zahlreichen Ländern, darunter Deutschland, ist der Kinostart im Frühjahr 2013 geplant. Wild Bunch wird den Film in die deutschen Kinos bringen.


Erste Filme für Wettbewerb und Berlinale Special

Eunchae Jung und Sunkyun Lee in Nugu-ui Ttal-do Anin Haewon (Nobody's Daughter Haewon) von Hong Sangsoo

Der Wettbewerb der Berlinale hat die ersten sechs Filme für die 63. Internationalen Filmfestspiele Berlin ausgewählt. Dabei sind in diesem Jahr Produktionen und Ko-Produktionen aus Chile, Deutschland, Frankreich, Österreich, der Republik Korea, Rumänien, Spanien und den USA. Zudem wurde die Weltpremiere der deutschen Dokumentation Unter Menschen von Christian Rost und Claus Strigel ins Berlinale Special eingeladen. 

Wettbewerb
Gloria
Chile/Spanien
Von Sebastián Lelio (La Sagrada Familia, Navidad, El año del tigre)
Mit Paulina García, Sergio Hernández
Weltpremiere
Nugu-ui Ttal-do Anin Haewon (Nobody's Daughter Haewon)
Republik Korea
Von Hong Sangsoo (Nacht und Tag, Hahaha, In Another Country)
Mit Eunchae Jung, Sunkyun Lee
Weltpremiere
Paradies: Hoffnung
Österreich/Frankreich/Deutschland
Von Ulrich Seidl (Hundstage, Import Export, Paradies: Liebe)
Mit Melanie Lenz, Vivian Bartsch, Joseph Lorenz, Michael Thomas
Weltpremiere
Poziţia Copilului (Child's Pose)
Rumänien
Von Călin Peter Netzer (Maria, Ehrenmedaille, Zapada mieilor)
Mit Luminiţa Gheorghiu, Bogdan Dumitrache, Florin Zamfirescu
Weltpremiere
Promised Land
USA
Von Gus Van Sant (My Private Idaho, Good Will Hunting, Milk)
Mit Matt Damon, John Krasinski, Frances McDormand, Rosemarie DeWitt, Hal Holbrook
Internationale Premiere
The Croods - Animationsfilm in 3D
USA
Kirk De Micco (Space Chimps - Affen im All), Chris Sanders (Drachenzähmen leicht gemacht)
Mit den Stimmen von Nicolas Cage, Emma Stone, Ryan Reynolds
Weltpremiere / außer Konkurrenz

Berlinale Special
Unter Menschen (Redemption Impossible) - Dokumentarfilm
Deutschland
Von Christian Rost, Claus Strigel
Weltpremiere


Panorama 2013: Erste Filme und Programme

Greta Gerwig in Frances Ha von Noah Baumbach

Die Auswahlreisen für das Panorama sind beendet, aber die Sichtungen in Berlin laufen noch auf vollen Touren. "Es steht bereits ein Drittel des Programms", berichtet Panorama-Leiter Wieland Speck. "Starken Eindruck machen neben Europäern wie Lars Kraume und Felix van Groeningen bereits Filme aus Asien - vor allem aus Korea - sowie aus Lateinamerika mit allein vier Debüts und aus den USA mit klingenden Namen wie Joseph Gordon-Levitt, Julianne Moore, Rob Epstein, Jeffrey Friedman, Amanda Seyfried, Juno Temple und Noah Baumbach", so Speck weiter.
Bei den Dokumentarfilmen zeichnen sich kinofähige Werke ab zu brisanten Weltthemen wie Palästina und dem Nahen Osten mit State 194 und Alam laysa lana (A World Not Ours), Vergangenheitsbewältigung in Indonesien mit The Act of Killing oder der fortschreitenden Gentrifizierung in westlichen Ländern in Gut Renovation. Einer der großen Inspiratoren des deutschen Kinos bekommt ein Portrait: Roland Klick. Die Reihe Panorama Dokumente wird wieder etwa ein Drittel des Gesamtprogramms ausmachen.

HEINER-CAROW-PREIS als neue Auszeichnung der DEFA-Stiftung im Panorama
Der Preis wird von der DEFA-Stiftung zur Förderung der deutschen Filmkunst an einen Dokumentar-, Spiel- oder Essayfilm vergeben und ist mit 5.000 Euro dotiert. Ausgezeichnet werden Filme, die sich sozialen und politischen Fragen der Gegenwart und Geschichte mit außergewöhnlichen ästhetischen Mitteln annehmen. Über die Vergabe entscheidet eine dreiköpfige Jury.
Mit dem Preis erinnert die DEFA-Stiftung an den Filmregisseur Heiner Carow (1929-1997), der in den Babelsberger DEFA-Studios unter anderem Filme wie Sie nannten ihn Amigo (1959), Die Russen kommen (1968), Die Legende von Paul und Paula (1973), Ikarus (1976), Bis dass der Tod Euch scheidet (1979) und Coming out (1989) inszenierte. Für Coming Out erhielt er im Februar 1990 den Silbernen Bären im Berlinale Wettbewerb.

TEDDY AWARD
2013 wird der TEDDY Award wie bereits 2010 in der Station Berlin verliehen mit anschließender Late Night Show und Party. Unter anderem wird Rufus Wainwright auftreten, der in Panorama Dokumente mit Sing Me the Songs That Say I Love You - A Concert for Kate McGarrigle von Lian Lunson vertreten ist. Lunson zeigte im Panorama 2006 Leonard Cohen: I'm Your Man.
Die neunköpfige TEDDY-Jury besteht dieses Jahr aus Festivalmachern aus Taiwan, den USA, Finnland, Mexiko, Frankreich, Spanien, Ukraine, der Dominikanischen Republik und Indien.

Spielfilme im Hauptprogramm und Panorama Special (15)
Baek Ya (White Night) - Republik Korea
Von Hee-il LeeSong
Mit Tae-hee Won, Yi-kyung Yi
Europäische Premiere
Chemi Sabnis Naketsi (A Fold in My Blanket) - Georgien
Von Zaza Rusadze
Mit Tornike Bziava, Tornike Gogrichiani, Zura Kipshidze, Avtandil Makharadze, Giorgi Nakashidze
Weltpremiere
Dduit-dam-hwa: Gam-dok-i-mi-cheot-eo-yo (Behind the Camera) - Republik Korea
Von E J-Yong
Mit Yuh-jung Youn, Hee-soon Park, Hye-jung Gang, Jung-se Oh, Min-hee Kim
Internationale Premiere
Deshora (Belated) - Argentinien/Kolumbien/Norwegen
Von Barbara Sarasola-Day
Mit Luis Ziembrowski, Alejandro Buitrago, Maria Ucedo
Weltpremiere
Don Jon’s Addiction - USA
Von Joseph Gordon-Levitt
Mit Joseph Gordon-Levitt, Scarlett Johansson, Julianne Moore
Internationale Premiere
Frances Ha - USA
Von Noah Baumbach
Mit Greta Gerwig, Mickey Sumner, Charlotte D'Ambiose, Adam Driver
Europäische Premiere
Habi, la extranjera (Habi, the Foreigner) – Argentinien/Brasilien
Von Maria Florencia Alvarez
Mit Martina Juncadella, Martin Slipak, Maria Luisa Mendonça, Lucia Alfonsin
Weltpremiere
Inch´Allah - Kanada
Von Anaïs Barbeau-Lavalette
Mit Evelyne Brochu, Sabrina Ouazani, Yousef Sweid, Sivan Levy, Carlo Brandt
Internationale Premiere
Kashi-ggot (Fatal) - Republik Korea
Von Don-ku Lee
Mit Yeon-woo Nam, Jo-a Yang, Jeong-ho Hong, Ki-doong Kang
Europäische Premiere
La Piscina (The Swimming Pool) - Kuba/Venezuela
Von Carlos Machado Quintela
Mit Raul Capote, Monica Molinet, Felipe Garcia, Carlos Javier Martinez, Marcos Costa
Internationale Premiere
Lovelace - USA
Von Rob Epstein, Jeffrey Friedman
Mit Amanda Seyfried, Peter Sarsgaard, Sharon Stone, Robert Patrick, Juno Temple
Internationale Premiere
Meine Schwestern (My Sisters) - Deutschland
Von Lars Kraume
Mit Jördis Triebel, Nina Kunzendorf, Lisa Hagmeister, Beatrice Dalle, Angela Winkler
Weltpremiere
Rock the Casbah - Israel
Von Yariv Horowitz
Mit Yon Tumarkin, Roy Nik, Yotam Ishay, Rave Iftach, Khawla Alhaj Debsi
Internationale Premiere
Tanta Agua (So Much Water) - Uruguay/Mexiko/Niederlande/Deutschland
Von Ana Guevara Pose, Leticia Jorge Romero
Mit Malú Chouza, Néstor Guzzini, Joaquín Castiglioni
Weltpremiere
The Broken Circle Breakdown - Belgien
Von Felix van Groeningen
Mit Johan Heldenbergh, Veerle Baetens, Nell Cattrysse
Internationale Premiere
Panorama Dokumente (7)
Alam laysa lana (A World Not Ours) - Großbritannien/Libanon/Dänemark
Von Mahdi Fleifel
Europäische Premiere
Gut Renovation - USA
Von Su Friedrich
Internationale Premiere
Naked Opera - Luxemburg/Deutschland
Von Angela Christlieb
Weltpremiere
Roland Klick - The Heart Is a Hungry Hunter - Deutschland
Von Sandra Prechtel
Mit Roland Klick, Otto Sander, Eva Mattes, David Hess, Hark Bohm
Weltpremiere
Sing Me the Songs That Say I Love You - A Concert for Kate McGarrigle - USA
Von Lian Lunson
Mit Rufus Wainwright, Martha Wainwright, Emmylou Harris, Norah Jones, Anna McGarrigle
Europäische Premiere
State 194 - USA/Israel
Von Dan Setton
Mit Yoram Millo, Daniel J. Chalfen, Ariel Setton, Margaret Yen
Europäische Premiere
The Act of Killing - Dänemark/Norwegen/Großbritannien
Von Joshua Oppenheimer
Mit Janus Billekov Jansen, Carlos Mariano Arango de Montis, Mariko Montpetit, Henrik Gugge Garnov, Charlotte Munch Bengtsen
Europäische Premiere
Panorama mit seinen Reihen Hauptprogramm, Panorama Special und Panorama Dokumente wird insgesamt etwa 50 Filme zeigen.


Das Programm für die Perspektive Deutsches Kino 2013 ist bereits festgelegt.
Thema: Die Melancholie des Abschiednehmens - grausam und schön
Mit sechs langen Spiel-, drei Dokumentar- und zwei mittellangen Spielfilmen präsentiert sich der deutsche Regienachwuchs in der Perspektive Deutsches Kino stark und vielfältig. Es geht um Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, um Naturkatastrophen, Familiengründungen, Trennungen, um die Liebe und um Verlust. "Vor allem das Abschiednehmen scheint die jungen Filmemacher zu beschäftigen. Mal ist die Auseinandersetzung schmerzhaft, mal wird sie zelebriert, immer findet der Nachwuchs eine lustvolle filmische Umsetzung", kommentiert Sektionsleiterin Linda Söffker ihre diesjährige Auswahl.

Hanno Koffler und Max Riemelt in Freier Fall von Stepan Lacant (Foto: Sten Mende © kurhaus production, Baden-Baden)

Mit dem Spielfilm Freier Fall von Stephan Lacant eröffnet die Perspektive Deutsches Kino ihr Programm. Max Riemelt (Kay), Katharina Schüttler (Bettina) und Hanno Koffler (Marc) sind die Protagonisten einer Dreiecksgeschichte, in der Marc und Bettina ein Kind erwarten, während Marc sich gleichzeitig in seinen Kollegen Kay verliebt.
Silvi (Regie: Nico Sommer), DeAD (R: Sven Halfar) und Endzeit (R: Sebastian Fritzsch) sind drei Spielfilme, die vom jeweiligen Regisseur mithilfe kreativer Umweg-Finanzierungen auch selbst produziert wurden. Silvi (suesssauerfilm, Berlin) ist ein ausgesprochener Berlin-Film, in dem die 47-jährige Titelfigur (Lina Wendel) nach einer Trennung neu durchstartet. DeAD (Skalar Film, Hamburg) ist feinster Pulp aus Hamburg: Nach dem Selbstmord seiner Mutter taucht der coole Patrick (Tilman Strauß) auf dem 60. Geburtstag seines unbekannten Vaters auf und lässt keinen Zweifel aufkommen, dass diese Party eskalieren wird. Und Endzeit (Fritzsch & Tiefenbach Filmproduktion) erzählt vom Überleben nach einer Katastrophe, in der eine junge Frau (Anne von Keller) zur Jägerin wird, um ihren Hunger zu stillen.
Zwei fiktionale Hochschularbeiten loten die Grenzen zwischen Spiel- und Dokumentarfilm aus. Zwei Mütter von Anne Zohra Berrached (Filmakademie Baden-Württemberg) erzählt beinahe dokumentarisch vom Kinderwunsch eines Ehepaares (Sabine Wolf und Karina Plachetka), das feststellen muss, dass die meisten Samenbanken keine gleichgeschlechtlichen Paare behandeln. Regisseur Andreas Bolm meidet in seinem 60-minütigen Spielfilm Die Wiedergänger (HFF München) die Form einer dokumentarischen Abbildung der Welt; er sucht nach dem Punkt, an dem die Fiktion beginnt. Entstanden ist ein kunstvoll karger Film über den Verlust und die ewige Wiederkehr.
Auch die beiden kürzeren Filme Chiralia (R: Santiago Gil, dffb, Berlin) und Kalifornia (R: Laura Mahlberg, Merz Akademie Stuttgart) verweisen auf eine sehr eigene filmische Handschrift, die Vorfreude auf den ersten langen Film der beiden Studenten weckt.
Drei sehr unterschiedliche Dokumentarfilme vervollständigen das Programm. Regisseur Sebastian Mez drehte seinen Film Metamorphosen (Filmakademie Baden-Württemberg) über das, in der breiten Öffentlichkeit vergessene, hochradioaktiv verseuchte Gebiet um die kerntechnische Anlage Majak im Südural. Carolin Genreith wirft in ihrem Film Die mit dem Bauch tanzen (HUPE Film- und Fernsehproduktion, Köln) einen sehr persönlichen Blick auf das Älterwerden und die „Wunderwaffe” Bauchtanz. Und Sandra Kaudelka, in der DDR selbst Leistungssportlerin gewesen, erzählt in ihrem Dokumentarfilm Einzelkämpfer (Lichtblick Media, Berlin) über ehemalige Spitzensportler der DDR.

Am Berlinale Kinotag, dem 17. Februar 2013, präsentiert die Perspektive Deutsches Kino den Gewinner des Spielfilmwettbewerbs "Max Ophüls Preis 2013" sowie den elfminütigen Dokumentarfilm-Gewinner des "First Steps Award 2012" Reality 2.0 (R: Victor Orozco Ramirez) zusammen mit Anatomie des Weggehens (R: Serban Oliver Tataru), der ebenfalls für den Preis nominiert war.

Filmliste Perspektive Deutsches Kino
Chiralia von Santiago Gil
DeAD von Sven Halfar
Die mit dem Bauch tanzen (Dancing with Bellies) von Carolin Genreith (Dokumentarfilm)
Einzelkämpfer (I Will Not Lose) von Sandra Kaudelka (Dokumentarfilm)
Endzeit (End of Time) von Sebastian Fritzsch
Freier Fall (Free Fall) von Stephan Lacant
Kalifornia von Laura Mahlberg
Metamorphosen von Sebastian Mez (Dokumentarfilm)
Silvi von Nico Sommer
Die Wiedergänger (The Revenants) von Andreas Bolm
Zwei Mütter (Two Mothers) von Anne Zohra Berrached


Forum Expanded
Isabella Rossellini, Hélio Oiticica und Richard Foreman im 8.
Forum Expanded
Bereits zum achten Mal präsentiert Forum Expanded Filmprogramme, Ausstellungen und Diskussionsveranstaltungen im Rahmen der Berlinale. Als flexible Plattform für künstlerische Arbeiten gehört es zum Selbstverständnis von Forum Expanded, in jedem Jahr neue Wege zu beschreiten und neue Räume zu erschließen. Inzwischen hat der noch immer namenlose Bereich zwischen Kino und Kunst Eigenständigkeit erfahren, ohne dabei an Offenheit einzubüßen. Das Programm schöpft seine Kraft und Kreativität aus dem Spagat zwischen der nervösen Energie des festivaltypischen Premierenmoments und der konzentrierten Diskussion mit den Künstlern und dem Publikum der Berlinale.
Forum Expanded präsentiert bereits zum wiederholten Male eine Arbeit von Isabella Rossellini, die wie kaum eine Zweite das Spannungsfeld zwischen großem Kino und künstlerischem Eigensinn verkörpert. Mammas ist die Fortsetzung ihrer Kurzfilmreihe Green Porno, die sie 2008 auf der Berlinale präsentierte. Wieder schlüpft die Schauspielerin und Regisseurin in unterschiedlichste Tierrollen – diesmal, um die Mutterinstinkte verschiedener Spezies zu erforschen. Zur Weltpremiere von Mammas wird der Film vom Komponisten der Filmmusik, Marc Chouarain, live am Klavier begleitet.


Hélio Oiticica von Cesar Oiticica Filho

Ein Schwerpunkt des diesjährigen Programms von Forum Expanded liegt auf dem Werk des 1980 verstorbenen brasilianischen Künstlers Hélio Oiticica. Oiticica gilt als einer der berühmtesten Künstler Brasiliens und ist vor allem für seine interaktiven Objekte und partizipativen Installationen und Environments bekannt, die er in den 1960er Jahren produzierte. Doch er schuf auch ein umfangreiches filmisches und film-affines Werk und kam in seiner Zeit in New York in den 1970er Jahren mit der US-amerikanischen Underground-Filmszene in Kontakt. Neben den sogenannten "Quasi-Cinema"-Installationen aus der Serie "Block-Experiments in Cosmococa - program in progress", die im Hamburger Bahnhof und im Liquidrom gezeigt werden, wird auch der Dokumentarfilm Hélio Oiticica von Cesar Oiticica Filho, Kurator der Nachlassverwaltung und Neffe des Künstlers, präsentiert. Der Co-Kurator des Schwerpunkts Max Jorge Hinderer Cruz präsentiert eine Auswahl von historischem Super 8 Material von und mit Oiticica, dazu bildet eine Podiumsdiskussion mit der Kunsthistorikerin Sabeth Buchman den diskursiven Rahmen. Zum Abschluss lädt die Installation im Liquidrom, die nur an einem Abend zu sehen sein wird, das Publikum dazu ein, im wahrsten Sinne des Wortes baden zu gehen, um die Bild- und Tonsequenz vom Pool aus zu erleben.
Ebenfalls zu Gast ist Richard Foreman. Der Gründer des legendären New Yorker Ontological-Hysteric Theatre, kehrt mit seinem Film Once Every Day nach über 30 Jahren zum ersten Mal auf die Leinwand zurück. Die aus Wiederholungsschleifen, Ellipsen und Fragmenten montierte Arbeit ist eine kongeniale filmische Umsetzung seiner einzigartigen Herangehensweise ans Theater und feiert im HAU Hebbel am Ufer ihre Europapremiere.
Die Forum Expanded Gruppenausstellung findet in diesem Jahr im Silent Green Kulturquartier, dem ehemaligen Krematorium Wedding statt. Eine ausführliche Liste der vertretenen Künstler und Arbeiten wird im Januar veröffentlicht.
Wie auch in den Jahren zuvor sind weitere Installationen im Marshall McLuhan Salon der Botschaft von Kanada sowie im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart zu sehen. Für die Diskussionsveranstaltungen zieht Forum Expanded ins Kunstgewerbemuseum.
Das Foyer des Kino Arsenal im Filmhaus am Potsdamer Platz wird von den Prinzessinnengärten bereits zum dritten Mal in einen urbanen Garten verwandelt. Das Kreuzberger Kollektiv b_books ist wie immer mit einem Bücherstand vertreten.
Forum Expanded wird kuratiert von Stefanie Schulte Strathaus (Leitung), Anselm Franke, Nanna Heidenreich, Bettina Steinbrügge und Ulrich Ziemons.


Berlinale-Retrospektive 2013:
"The Weimar Touch. The International Influence of Weimar Cinema after 1933"

Hans Jaray, Herta Natzler und Franziska Gaál in Peter von Hermann Kosterlitz (Österreich, Ungarn 1934), Quelle: Deutsche Kinemathek

Die Retrospektive "The Weimar Touch" widmet sich den Einflüssen des Weimarer Kinos auf das internationale Filmschaffen nach 1933. Im Fokus stehen Kontinuitäten, Wechselwirkungen und Wandlungen in den Filmen deutschsprachiger Emigranten bis in die 1950er Jahre.
Die Blütezeit des Weimarer Kinos ist nicht zuletzt der Demokratisierung von Gesellschaft und Kunst zwischen 1918 und 1933 zu verdanken. Das Weimarer Kino ist eines der Vielfalt – erprobte Erzählformen und stilistische Experimentierlust kennzeichnen es gleichermaßen. Es behandelt die soziale Not in den Städten und den subversiven Rollentausch der Geschlechter, kennt Slapstick und Wortwitz, Lachen und Schaudern. Aus der Spannung zwischen Gegensätzen bezog es seine schöpferische Dynamik. Zugleich profitierte das Weimarer Kino schon früh vom internationalen Austausch und den Aktivitäten deutscher Filmschaffender im Ausland.
Doch mit der Machtübernahme des NS-Regimes 1933 begann die Gleichschaltung der deutschen Filmindustrie. Nur anfangs entstanden noch Filme, die von der Weimarer Tradition zehrten. Mehr als 2000 Filmschaffende vor allem jüdischer Herkunft mussten in den kommenden Jahren emigrieren. Die meisten Emigranten suchten in Europa und in den USA einen Neuanfang oder knüpften dort an bestehende Beziehungen an.
"Das Kino der Weimarer Republik und das Filmexil sind wesentliche Sammlungs- und Forschungsschwerpunkte der Deutschen Kinemathek, die im Jahr 2013 ihren 50. Geburtstag feiert", so Rainer Rother, Leiter der Retrospektive und Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen. "Wir haben hierzu die international wohl umfangreichste Sammlung aufgebaut und in filmgeschichtlichen Standardwerken zugänglich gemacht. Wie viele Retrospektiven in der Vergangenheit, so schreibt auch ‚The Weimar Touch‘ diese Tradition fort und lenkt zugleich den Blick auf neu zu entdeckende Filme."
Gezeigt werden 33 Filme in den fünf Kapiteln "Rhythm and Laughter", "'Unheimlich' - The Dark Side", "Light and Shadow", "Variations" und "Know Your Enemy". Unter der Überschrift „Rhythm and Laughter“ sind Filme versammelt, die an Tonfilmoperette, Musikfilm und Filmkomödie anknüpfen – Genres des Weimarer Kinos, die maßgeblich von jüdischen Filmschaffenden geprägt wurden. Zu entdecken ist hier Peter (Österreich/Ungarn 1934) von Hermann Kosterlitz. In der ausgeprägt sozialkritischen Filmkomödie mit Anklängen an die Tonfilmoperette spielt Franzisca Gaál eigenwillig und berührend zugleich die Titelrolle, eine "Hosenrolle". Eine Wiederentdeckung ist der erst jüngst restaurierte niederländische Film Komedie om Geld (Komödie um Geld, 1936) von Max Ophüls. Kameramann war der spätere Oscar-Preisträger Eugen Schüfftan. In der Retrospektive darf Billy Wilder nicht fehlen, dessen Film Some Like It Hot (Manche mögen’s heiß, USA 1959) im amerikanischen Kontext den subversiven Humor und die frivole Travestie des Weimarer Kinos aufgreift.
"'Unheimlich' - The Dark Side": Die dunkle Seite von Psyche und Gesellschaft war das Thema von beängstigend dichten Kriminalfilmen der dreißiger Jahre. Ihre Einflüsse prägten im Amerika der Nachkriegszeit das Genre des Film noir aus, die Regisseure waren zumeist deutsche Filmemigranten. So drehte Robert Siodmak noch im Pariser Exil den Film Pièges (Der Fallensteller, Frankreich 1939).
Unter dem Titel "Variations" sind Remakes des Weimarer Kinos zu sehen sowie Filme, die ihre Vorbilder variieren. Hierzu zählt beispielsweise Joseph Loseys 1951 uraufgeführte Neuverfilmung von Fritz Langs gleichnamigem Klassiker M (1931). Und First a Girl (GB 1935) von Victor Saville basiert auf Reinhold Schünzels Viktor und Viktoria (Deutschland 1933).
"Know Your Enemy" stellt Filme vor, die gegen das NS-Regime Position bezogen. Ernst Lubitschs Klassiker To Be or Not to Be (Sein oder Nichtsein, USA 1942) steht dabei neben Ludwig Bergers fast unbekanntem Ergens in Nederland. Een film uit de Mobilisatietijd (Niederlande 1940). Das Beziehungsmelodram thematisiert die drohende deutsche Invasion, die im Mai 1940 tatsächlich erfolgte. Casablanca (USA 1942) von Michael Curtiz, herausragend besetzt mit fast ausnahmslos europäischen Schauspielern, ist unbestritten der populärste aller Emigranten-Filme.
Berlinale-Direktor Dieter Kosslick freut sich über die gemeinsam von der Deutschen Kinemathek und dem Museum of Modern Art, New York, kuratierte Retrospektive: "In der Weimarer Republik wurde die gesellschaftliche und künstlerische Relevanz des Films evident und es wurde Filmgeschichte geschrieben. In der Retrospektive ist der Einfluss dieser Filmepoche auf das internationale Filmschaffen zu entdecken."
Neben Laurence Kardish, dem ehemaligen Senior Kurator des MoMA, ist als weiterem Mitglied der Auswahlkommission dem Filmhistoriker Hans-Michael Bock vom CineGraph - Hamburgisches Centrum für Filmforschung zu danken.
Die Filmvorführungen der Retrospektive finden im CinemaxX am Potsdamer Platz und im Zeughauskino statt. Das Programm wird ergänzt durch Veranstaltungen in der Deutschen Kinemathek. Zur Retrospektive erscheint eine Broschüre. Die Filmreihe der Retrospektive wird ab April 2013 auch im MoMA New York gezeigt werden.


Hommage und Goldener Ehrenbär für Claude Lanzmann

Claude Lanzmann (Foto: Catherine Hélie / © Gallimard)

Die 63. Internationalen Filmfestspiele Berlin widmen dem französischen Dokumentarfilm-Regisseur und Produzenten Claude Lanzmann eine Hommage und verleihen ihm den Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk.
"Claude Lanzmann ist einer der großen Dokumentaristen. In seiner Darstellung von Unmenschlichkeit und Gewalt, von Antisemitismus und seinen Folgen hat er eine neue filmische wie ethische Auseinandersetzung geschaffen. Wir fühlen uns geehrt, ihn ehren zu dürfen", sagt Berlinale-Direktor Dieter Kosslick.
Claude Lanzmanns Film Shoah (1985) ist als epochales Meisterwerk der Erinnerungskultur in die Filmgeschichte eingegangen. Der neuneinhalbstündige Dokumentarfilm über den Völkermord an den europäischen Juden wurde 1986 im Forum der Berlinale gezeigt und mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet. Die Vorbereitungen und Filmarbeiten zu Shoah dauerten nahezu zwölf Jahre. Lanzmann zeigt in diesem Werk ausschließlich Interviews mit Überlebenden und Zeitzeugen der Shoah, darunter auch Täter, sucht die Orte der Vernichtung auf und vergegenwärtigt den unermesslichen Schrecken des Völkermords im Nationalsozialismus.
Claude Lanzmann, 1925 als Sohn jüdischer Eltern in Paris geboren, kämpfte in der Résistance, studierte in Frankreich und Deutschland Philosophie und hatte 1948/49 eine Dozentur an der neugegründeten Freien Universität Berlin inne. Er war einer der aktiven Unterstützer der algerischen Unabhängigkeitsbewegung Anfang der 60er Jahre.
Seine Auseinandersetzung mit der Shoah, dem Antisemitismus und den politischen Freiheitskämpfen durchziehen sein filmisches wie journalistisches Schaffen.
Lanzmann arbeitete bis Anfang der 70er Jahre vor allem als Journalist und ist bis heute Herausgeber der von Jean-Paul Sartre begründeten Zeitschrift „Les Temps Modernes“. In den 60er Jahren gehörte er auch zum Kreis der Intellektuellen um Sartre und Simone de Beauvoir.
1972 entstand seine erste filmische Arbeit, die Dokumentation Pourquoi Israël (Warum Israel, Frankreich 1973), in der er die Notwendigkeit der Staatsgründung Israels aus jüdischer Perspektive darstellt. In dem Film Tsahal, der 1995 im Berlinale-Forum lief, porträtiert er Frauen und Männer, die in der israelischen Armee dienen. Sobibor, 14 octobre 1943, 16 heures (Sobibor, 14. Oktober 1943, 16 Uhr, Frankreich 2001) über den Aufstand im Vernichtungslager Sobibor in Polen wurde 2002 ebenfalls im Berlinale-Forum vorgestellt. Zu Claude Lanzmanns Filmschaffen gehören weitere Werke, die sich mit dem Völkermord an den europäischen Juden und mit den Zeitzeugen auseinandersetzen.
Claude Lanzmann ist einer der bedeutendsten Protagonisten des politisch-geistigen Lebens unserer Zeit. Unter dem Titel „Der patagonische Hase“ („Welt“-Literaturpreis 2010) veröffentlichte er 2009 seine Erinnerungen, in denen er literarisch eindrucksvoll seine persönliche und politische Lebensgeschichte erzählt und unter anderem den jahrelangen Entstehungsprozess seines filmischen Meisterwerks Shoah schildert.
Die Berlinale ehrt Claude Lanzmann für sein außergewöhnliches Schaffen mit dem Goldenen Ehrenbären. Anlässlich der Preisverleihung wird Sobibor, 14. Oktober 1943, 16 Uhr gezeigt.
Im Rahmen der Hommage an Claude Lanzmann wird sein Gesamtwerk bei den 63. Internationalen Filmfestspielen Berlin präsentiert. Verbunden mit der Hommage ist die Erstaufführung der restaurierten und digitalisierten Fassung von Shoah.

Filme der Hommage:
Pourquoi Israël (Warum Israel, Frankreich 1973)
Shoah (Frankreich 1985)
Tsahal (Frankreich/Deutschland 1994)
Un vivant qui passe (Ein Lebender geht vorbei, Frankreich 1997)
Sobibor, 14 octobre 1943, 16 heures (Sobibor, 14. Oktober, 16 Uhr, Frankreich 2001)
Le rapport Karski (Der Karski-Bericht, Frankreich 2010)


Erste Berlinale Residency
Berlinale Residency nennt sich ein neues Stipendiaten-Programm. Regisseure aus der ganzen Welt werden nach Berlin eingeladen, um hier an ihren aktuellen Drehbüchern zu arbeiten. Das Programm möchte die Projekte auf ihrem Weg zu einer erfolgreichen Auswertung unterstützen. Die Filmemacher befinden sich bereits seit Anfang September in Berlin, um mit ausgewählten Script Consultants des Nipkow Programms an ihren Drehbüchern zu arbeiten. Im Rahmen eines „Script to Market“-Workshops werden internationale Marktexperten gemeinsam mit den Produzenten und Regisseuren Produktions- und Distributionsstrategien für die Projekte entwickeln. Folgende Regisseure wurden für die erste Berlinale Residency ausgewählt:
Matías Bize, Chile
Der 1979 geborene Regisseur und Drehbuchautor erlangte 2003 mit seinem Spielfilmdebüt Sábado: Das Hochzeitstape internationale Aufmerksamkeit. 2005 feierte sein mehrfach ausgezeichnetes Drama Im Bett - En la cama beim Filmfestival Locarno Premiere.
Rebecca Daly, Irland
Rebecca Daly war 2010 mit ihrem Kurzfilm Hum Finalistin beim Berlin Today Award im Rahmen des Berlinale Talent Campus. 2011 präsentierte sie ihren ersten Spielfilm The Other Side of Sleep beim Filmfestival in Cannes und bei weiteren internationalen Filmfestivals.
Samuel Maoz, Israel
Samuel Maoz machte sich zunächst als Dokumentarfilmer einen Namen, bevor er 2009 mit seinem Spielfilmdebüt Lebanon den Goldenen Löwen in Venedig sowie zahlreiche weitere Preise gewann.
Raya Martin, Philippinen
Der 1984 geborene Regisseur und Drehbuchautor hat seit 2004 mehrere Kurz- und Langfilme gedreht. Sein Spielfilm Independencia erhielt 2009 Förderung durch den World Cinema Fund und wurde bei mehreren internationalen Festivals präsentiert.
Rafi Pitts, Iran
Der vielfach ausgezeichnete iranische Regisseur und Drehbuchautor war mit Zemestan (It’s Winter, 2006) und Shekarchi (The Hunter, 2010) bereits zwei Mal Gast im Berlinale Wettbewerb. The Hunter wurde vom World Cinema Fund gefördert.
Sacha Polak, Niederlande
Die 29-jährige Regisseurin hat seit 2006 mehrere Kurzfilme gedreht und nahm 2010 am Berlinale Talent Campus teil. 2012 präsentierte sie ihr Spielfilmdebüt Hemel im Berlinale Forum und gewann den FIPRESCI-Preis.
Die Berlinale Residency ist eine Initiative der Internationalen Filmfestspiele Berlin, dem Nipkow Programm und dem Internationalen Filmfestival Guadalajara, in Kooperation mit dem MEDIA Mundus Programm der Europäischen Union und dem Medienboard Berlin-Brandenburg.
Das Medienboard Berlin-Brandenburg fördert die Berlinale Residency im Rahmen des Berlin 24/7 Programms, das Arbeitsstipendien in der deutschen Filmhauptstadt für internationale Filmschaffende anbietet.

Berlinale World Cinema Fund:
Neue Förderentscheidungen und eine erfolgreiche Bilanz 2012
In der 17. Jurysitzung des World Cinema Fund (WCF) hat die Jury vier neue Filmprojekte zur Produktionsförderung vorgeschlagen.
Damit hat der WCF seit seiner Gründung im Oktober 2004 Produktions- bzw. Verleihförderung an insgesamt 106 Projekte unter 1.879 Einreichungen aus Afrika, Lateinamerika, dem Nahen/Mittleren Osten, Zentral- und Südostasien und dem Kaukasus vergeben. Alle bisher produzierten WCF-Filme liefen im Kino und/oder in den Programmen renommierter internationaler Filmfestivals und belegen den internationalen Erfolg der Initiative.
Aktuelle Förderentscheidungen
Die WCF-Jury traf ihre Auswahl aus 95 eingereichten Projekten aus insgesamt 37 Ländern. Sie vergab Fördermittel in Höhe von insgesamt 140.000 €. Mitglieder der Jury sind die Filmwissenschaftlerin und Kuratorin Viola Shafik (Deutschland/Ägypten), die Dokumentarfilmproduzentin Marta Andreu (Spanien), der Verleiher und Produzent Jan De Clercq (Belgien) sowie die WCF-Projektleiter Sonja Heinen und Vincenzo Bugno.
Produktionsförderung:
Flapping in the Middle of Nowhere, Regie: Diep Nguyen Hoang (Vietnam), Produktion: VBLOCK Media, Vietnam. Deutscher Partner: Filmallee. Spielfilm. Fördersumme: 50.000 €
Historia del Miedo, Regie: Benjamin Naishtat (Argentinien). Produktion: Rei Cine SRL, Argentinien. Spielfilm. Fördersumme: 30.000 €
Remote Control, Regie: Byamba Sakhya (Mongolei), Produktion: Guru Media, Mongolei. Deutscher Partner: Majade. Spielfilm. Fördersumme: 30.000 €
South Facing Wall, Regie: Elvent Kutlug Ataman (Türkei). Produktion: Detail Film, Deutschland. Spielfilm. Fördersumme: 30.000 €

Kommentar
Die Berlinale ist seit Jahrzehnten im Spagat. Einerseits gilt es, gerade das heimische Publikum glücklich zu machen, das nach Stars lechzt, und die kommen nun mal in erster Linie aus den USA. Und Berlin möchte Schritt halten mit den roten Teppichen von Cannes und Venedig. Andererseits gilt es, den Europäischen Film und das sprichwörtliche "Allerweltskino" zu fördern.
Das größte niederländische Filmfest Rotterdam, zeitlich sehr kurz vor der Berlinale gelegen und fast einmal als zeitgleich verunfallt, fährt von vorne herein eine völlig andere Strategie. Hollywood bleibt draußen, die Hauptpreise sind nur für Werke von Newcomern bestimmt. Der Hubert Bals Fund,
benannt nach dem früh verstorbenen ersten Festivaldirektor und in Gedanken schon als Tarkowski Fund von ihm auf den Weg gebracht, hat einen fast zehnfachen Etat der oben erwähnten WCF-Produktionsförderung.
Der World Cinema Fund als Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes und der Internationalen Filmfestspiele Berlin gefördert von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien in Kooperation mit dem Goethe-Institut, mit Unterstützung des Auswärtigen Amts hat einen hübschen Namen, aber es fehlt die satte Unterfütterung mit ein, zwei Nullen an entscheidender Stelle. Diese wäre die Zahl des Etats.