Donnerstag, 23. Februar 2017

Aki Kaurismäki macht Hoffnung

Von unseren Berlinale-Korrespondenten Peer Kling und Elisabeth Niggemann

In Aki Kaurismäkis neuem Meisterwerk „Die andere Seite der Hoffnung“ finden nach 40 Minuten zwei Geschichten zusammen um dann zu einer zu verschmelzen. Khaled (Sherwan Haji) ist die Inkarnation des Flüchtlingselends schlechthin. Angeschmiert, verraten, mishandelt, beinahe ermordet und der Abschiebung entflohen trifft er im „Asphalt-Djungel“ von Helsinki auf die in Wikström (Sakari Kuosmanen) versteckte Menschlichkeit. Khaleds Überlebenstraining gewinnt an Qualität.

Aki Kaurismäkis Filme sind sofort als unverwechselbares Markenzeichen zu erkennen. Sein Alleinstellungsmerkmal besteht aus einer lakonischen Kombination von staubtrockenem Humor, großen Problemen schräger Figuren aus der Welt der Underdogs, Wenigverdiener und sonstigen Verlierern der Gesellschaft, gepaart mit einem oft so minimalistischen wie schrillen Set, das wie eine Theaterbühne wirkt. Eine statische Kamera fängt die feinen Bewegungen der Figuren mit ihren knappen Dialogen ein. Dass sich die Stoffe des berühmtesten finnischen Regisseurs für's Theater eignen, hat das Aachener Stadttheater im April 2013 bewiesen. In der Inszenierung „Lichter ziehen vorüber“ von Christina Rast kamen Motive aus den Filmklassikern „Lichter der Vorstadt“ und „Wolken ziehen vorüber“ zur Geltung. „Kaurismäkis Figuren sind für sich einsam, auf der Suche nach einem anderen einsamen Menschen, um dann gemeinsam einsam zu sein“, sagte Regisseurin Christina Rast vor knapp vier Jahren. In dem neuen Film „Die andere Seite der Hoffnung“ nun, finden die Schicksalsgemeinschaften jedoch zu echter Freundschaft. Aber Kaurismäki ist sich, seinem Stil, seinen Figuren und seiner Thematik über Jahrzehnte treu geblieben, auch wenn er mit „Le Havre“ internationaler wurde und sich nun als Weltenbürger engagiert dem weltweiten Thema der Flüchtlingsproblematik und des Fremdenhasses zuwendet. Auf der Pressekonferenz zu seinem Film fand er deutliche Worte, um die miserablen Zustände in der Welt und auch in Finnland anzuprangern.

Interessant und bewundernswert ist, dass er es auf fast magische Weise versteht, eine derart depremierende Thematik so zu gestalten, dass wir Tränen lachen mußten. In seinen Kaskaden der Komik setzt der „Lakomiker“ eben immer noch eine verblüffende Idee, einen Witz oder ein Überraschungsmoment oben drauf.

Und wie so oft bei Aki Kaurismäki spielt auch in diesem Film die Musik eine wesentliche Rolle bei der Lenkung der Zuschauer-Emotionen. Die Musikstücke im Film werden von Tuomari Nurmio, Ismo Haavisto, der Band „Marko Haavisto ja Poutakaukat“ sowie von Harri Marstio und Antero Jakoila gespielt. In der Pressekonferenz steht Sakari Kuosmanen auf und singt ein finnisches Lied a cappella. Der Applaus ist ihm sicher. „Es ist die Musik, die die melancholischen Seelen ohne Heimat verbindet,“ schreibt Kerstin Decker im Tagesspiegel.

Der Film kommt am Donnerstag, dem 30. März in die Kinos.